Wie viel verdient man auf TikTok mit Werbekooperationen? Preisspannen und Rechenbeispiel
Ein Account mit 20.000 Followern und einer Engagement-Rate von 7% kann für einen einzelnen gesponserten Post mehr verlangen als ein Account mit 200.000 Followern, dessen Publikum kaum noch reagiert. Bei Werbekooperationen zählt nicht, wie viele Leute folgen, sondern wie viele davon tatsächlich liken, kommentieren und teilen. Followerzahl ist nur der Ausgangspunkt der Rechnung, die Engagement-Rate entscheidet, in welcher Preisliga ein Account überhaupt spielt.
Werbekooperation ist nicht das Belohnungsprogramm
Zwei völlig verschiedene Geldquellen werden auf TikTok ständig durcheinandergeworfen. Das TikTok Creator Rewards Program zahlt einen kleinen Betrag pro qualifiziertem View, abhängig von Faktoren wie Videolänge und Wiedergabezeit. Diese Auszahlung ist klein pro View, ändert sich häufig und schwankt von Monat zu Monat spürbar, selbst bei stabilen Zahlen. Sie eignet sich kaum, um darauf ein Einkommen zu planen.
Werbekooperationen laufen komplett anders. Eine Marke zahlt direkt an den Creator, für einen Post, ein Video oder eine Serie von Inhalten, verhandelt individuell und meist deutlich über dem, was dasselbe Video über das Belohnungsprogramm je einbringen würde. Für die meisten Accounts mit einer nennenswerten, engagierten Community ist das die Einnahmequelle, die tatsächlich zählt, nicht die Cent-Beträge pro View. Der Rest dieses Artikels dreht sich ausschließlich um diese Kooperationen.
Die Engagement-Rate bestimmt die Preisspanne
Marken zahlen im Kern nach Reichweite, gestaffelt danach, wie stark ein Publikum reagiert. Ein Account mit derselben Followerzahl, aber höherer Engagement-Rate, landet in einer höheren Preisstufe:
| Engagement-Rate | Stufe | Preis pro 1.000 Follower |
|---|---|---|
| 6% oder mehr | Hoch | 8 – 15 $ |
| 3% – 5,9% | Gut | 5 – 10 $ |
| 1% – 2,9% | Mittel | 3 – 7 $ |
| Unter 1% | Niedrig | 1 – 4 $ |
Die Logik dahinter: eine Marke kauft keine Followerzahl, sie kauft Aufmerksamkeit, die sich in Likes, Kommentaren und Shares zeigt. Zwei Accounts mit exakt derselben Followerzahl können in völlig unterschiedlichen Preisstufen landen, je nachdem wie oft ihr Publikum tatsächlich reagiert. Wer seine eigene Rate noch nicht kennt, findet sie schnell mit dem Engagement-Rate-Rechner der Seite.
Rechenbeispiel: vom Nischenkonto bis zur Million Follower
Bei einer festen Engagement-Rate von 4%, also Stufe Gut, wächst der Wert pro Post proportional zur Followerzahl. Für vier gesponserte Posts im Monat, ein realistisches Tempo für einen aktiven Account, sieht die Spanne so aus:
| Follower | Wert pro Post | 4 Posts im Monat |
|---|---|---|
| 10.000 | 50 – 100 $ | 200 – 400 $ |
| 50.000 | 250 – 500 $ | 1.000 – 2.000 $ |
| 100.000 | 500 – 1.000 $ | 2.000 – 4.000 $ |
| 500.000 | 2.500 – 5.000 $ | 10.000 – 20.000 $ |
| 1.000.000 | 5.000 – 10.000 $ | 20.000 – 40.000 $ |
Der Sprung von 10.000 auf 100.000 Follower verzehnfacht den Wert pro Post fast exakt, solange die Engagement-Rate stabil bleibt. In der Praxis sinkt sie beim Wachsen oft leicht, weil ein größeres Publikum tendenziell weniger persönlich reagiert, was die Zahlen in der Tabelle eher zur Obergrenze als zur sicheren Erwartung macht.
Rechne mit deinen eigenen Zahlen
Nur Schätzungen. Echte Sponsoring-Preise hängen von deiner Nische, der Qualität des Publikums, dem Content und deinem Verhandeln ab.
Warum Engagement mehr zählt als Followerzahl
Um den Effekt sichtbar zu machen, hier dieselbe Followerzahl, 100.000, mit vier verschiedenen Engagement-Raten:
| Engagement-Rate | Stufe | Wert pro Post bei 100.000 Followern |
|---|---|---|
| 8% | Hoch | 800 – 1.500 $ |
| 4% | Gut | 500 – 1.000 $ |
| 2% | Mittel | 300 – 700 $ |
| 0,5% | Niedrig | 100 – 400 $ |
Zwischen der niedrigsten und der höchsten Stufe liegt bei identischer Followerzahl fast das Vierfache. Zwei Accounts gleicher Größe können also völlig unterschiedliche Angebote von Marken bekommen, und der Unterschied liegt fast immer an der Engagement-Rate, nicht an der Nische, der Postingfrequenz oder dem Alter des Accounts.
Einnahmen jenseits der Werbekooperation
Werbekooperationen sind meist die größte Einzelposten, aber nicht die einzige Quelle:
- TikTok Shop und Affiliate-Links. Provision auf Verkäufe, die über einen im Video verlinkten oder gezeigten Artikel entstehen, unabhängig von einer direkten Markenzahlung.
- Live-Geschenke. Zuschauer kaufen virtuelle Geschenke während eines Livestreams, die sich in Geld umwandeln lassen. Stark abhängig von einer aktiven, zahlungsbereiten Community.
- Creator Rewards Program. Die kleine, schwankende Auszahlung pro View, siehe oben, ein Zusatz, kein Fundament.
- Eigene Produkte. Merch, digitale Produkte oder eine eigene Marke, für die der TikTok-Account als Marketingkanal dient statt als direkte Einnahmequelle.
Wer nur die Werbekooperation aus diesem Artikel als Gesamteinkommen eines Accounts betrachtet, unterschätzt meist, was aktive Creator mit mehreren Quellen tatsächlich einnehmen.
Was die Schätzung verzerrt
Follower mit echter Reichweite verwechseln. Ein gekaufter oder inaktiver Followerblock zählt in der Preisformel mit, bringt einer Marke aber keine echte Reichweite. Genau deshalb fragen seriöse Marken zuerst nach der Engagement-Rate und erst danach nach der Followerzahl.
Die Nische ignorieren. Wie bei YouTube zahlen Marken in manchen Themenfeldern, etwa Finanzen, Tech oder Beauty, tendenziell mehr pro Follower als in breit gestreuten Unterhaltungsformaten, weil ihr Zielpublikum dort konzentrierter sitzt. Die Tabellen oben rechnen mit einer allgemeinen Spanne, eine spitze, kaufkräftige Nische kann darüber liegen.
Die Schätzung als Festpreis statt als Verhandlungsbasis behandeln. Eine berechnete Spanne ist ein Startpunkt für ein Gespräch, kein Angebot, das man kommentarlos akzeptiert. Wer als Erster eine Zahl nennt, sollte eher am oberen Ende der eigenen Stufe ansetzen und von dort aus verhandeln.
Nutzungsrechte und Exklusivität vergessen. Darf die Marke das Video als Werbeanzeige weiterschalten, es auf ihrer eigenen Seite verwenden oder verlangt sie, dass für einen Zeitraum keine Konkurrenzmarke beworben wird, kostet das extra, oft spürbar mehr als der reine Post. Diese Zusatzrechte gehören nicht automatisch in eine Standardgebühr und sollten separat verhandelt werden.
Häufige Fragen
Beeinflusst die Nische den Preis, ähnlich wie bei YouTube? Ja, wenn auch etwas weniger ausgeprägt als bei YouTube, wo die Werbeauktion direkt nach Themengebiet unterscheidet. Bei TikTok verhandeln Marken meist individuell, aber ein kaufkräftiges Zielpublikum in Nischen wie Finanzen, Software oder Beauty führt tendenziell zu Angeboten am oberen Ende der jeweiligen Engagement-Stufe, während breite Unterhaltungsformate eher am unteren Ende landen.
Zahlen Marken extra für Nutzungsrechte oder Exklusivität? Ja, praktisch immer. Der reine Post auf dem eigenen Account ist die Grundleistung. Will die Marke das Video zusätzlich als bezahlte Anzeige schalten (Nutzungsrechte, oft als “usage rights” oder “whitelisting” bezeichnet) oder verlangt sie, dass für eine gewisse Zeit keine Konkurrenzmarke im Feed erscheint (Exklusivität), sind das separate Positionen, die on top zur Grundgebühr verhandelt werden.
Was bekommen Nano- und Micro-Influencer unter 10.000 Followern tatsächlich angeboten? Oft weniger als die reine Formel aus Followerzahl mal Rate ergibt, weil viele Marken für sehr kleine Accounts lieber mit Produktproben statt mit Geld bezahlen (“Gifting” statt Cash-Deal). Wer in diesem Bereich eine hohe Engagement-Rate vorweisen kann, hat trotzdem eine gute Verhandlungsposition, sollte aber realistisch bleiben und bei den ersten Kooperationen eher kleine, planbare Beträge oder Produktwert erwarten statt vierstellige Summen.
Kann man einer einzelnen genannten Rate aus dem Internet vertrauen? Am besten nicht als absolute Zahl. Nische, Zielland des Publikums, Saison und die konkrete Kampagne einer Marke bewegen den tatsächlichen Preis in beide Richtungen. Die Spannen in diesem Artikel sind eine Orientierung, mit der man in ein Gespräch mit einer Marke geht, kein Betrag, den man ungeprüft übernimmt. Mit wachsender Erfahrung und ein paar abgeschlossenen Deals wird die eigene, tatsächlich erzielte Rate zur verlässlicheren Quelle als jede allgemeine Tabelle.